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Jan

Schreiben

   Posted by: admin   in Allgemein

Geschrieben habe ich eigentlich schon immer …
Seit 1996 wurden in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. 2001 erschien mein erster Roman, “Der Todesadler”, im BMV Burau Verlag – allerdings nicht der erste Roman, den ich geschrieben habe. Den habe ich mit zwölf begonnen, meine Heldin war eine tapfere Indianerin. Der zweite Roman, mit dreizehn in Angriff genommen, spielte in einer Welt voller zauberhafter Wesen. Immer noch liegt mir die Fantasy besonders am Herzen, auch wenn ich immer wieder neue Genres erkunde. Was ich selbst gern lese, möchte ich auch gerne schreiben.

Hier mal ein paar Fragen, die immer wieder auftauchen:

Ich habe ein Buch geschrieben, würden Sie es bitte lesen?

Nein, tut mir leid. Dazu habe ich keine Zeit. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, sein Werk jemand anders zu zeigen, der darüber ein vernichtendes Urteil fällen könnte, deshalb fühle ich mich jedes Mal geehrt, wenn mir diese Frage gestellt wird. Aber ich arbeite jeden Tag hart an meinen eigenen Projekten. Die Zeit, die mir noch bleibt, gehört meiner Familie. Außerdem könnte ich für Ihr Buch auch nichts tun. Ich habe keinen Verlag und bin weder Agentin noch Lektorin. Die Verlage, für die ich arbeite, warten auch nicht auf meine Empfehlungen.

Wie viel haben Sie für Ihre Bücher bezahlt?

Wie bitte? Gar nichts natürlich. Das Schreiben ist mein Beruf, mit dem ich mein Geld verdiene. (Kosten verursachen nur die nötigen Arbeitsmittel wie Computer, Drucker, Arbeitszimmer oder Recherche-Reisen.) Ich bin immer wieder darüber erschrocken, mit welcher Selbstverständlichkeit viele Leute annehmen, Bücher veröffentlichen koste Geld. Dabei geht ein seriöser Verlag in Vorleistung. Er trägt die Kosten für Lektorat, Druck usw.  und zahlt dem Autor ein Honorar.

Wie werde ich Schriftsteller/in?

Schreiben! Wer nur davon träumt, irgendwann ein Buch zu schreiben, dem entgeht das Beste: eine Geschichte zu schreiben! Wer gerne schreibt, dem geht es nicht (nur) darum, irgendwann das fertige Buch in der Hand zu halten. Der findet es auch nicht schlimm, dass der erste Roman kein Verlagszuhause findet, denn ihm ist klar: Schreiben muss man lernen, und der erste Versuch ist selten so gut, dass er reif fürs Veröffentlichen ist. Vielleicht ist es erst der zehnte Roman. Oder die fünfzigste Überarbeitung. Aber das macht nichts, denn wichtig und bereichernd ist der Prozess des Schreibens selbst. Eine Geschichte entwickeln, mit den Figuren leben, schöne Formulierungen suchen.

Das wird von Versuch zu Versuch besser. Talent sollte man schon mitbringen, aber ohne Handwerkszeug und Übung geht es nicht. Wer sich erst einmal an die Arbeit macht, merkt rasch, dass es gar nicht so leicht ist, wie es aussieht. Zahlreiche Bücher und Seminare geben dem angehenden Schriftsteller Hilfestellung, doch das ersetzt natürlich nicht das Üben. Mich wundert immer wieder, wie oft ich zu hören bekomme: Ich will ein Buch schreiben. Jemand, der Klavier spielen lernt, spricht dagegen weitaus bescheidener davon, dass er übt. Und nicht gleich “ein Konzert gibt”.  Wer nur auf das Endprodukt schielt, nur darauf hofft, etwas Gedrucktes in der Hand zu halten, kann sich eigentlich auch ein Buch kaufen.

Wer es ernst meint, findet z.B. beim Montségur Autorenforum wertvolle Hilfestellung. Hier diskutieren Profi-Autoren über den Buchbetrieb und das Schreiben, auch Nichtmitglieder können die meisten Themen einsehen.

Empfehlenswert finde ich auch:

Sol Stein: “Über das Schreiben”

oder das “Handbuch für Autorinnen und Autoren – Informationen aus dem deutschen Literaturbetrieb und der Medienbranche” aus dem Uschtrin Verlag.


Wie funktioniert Schreiben? Woher kommen die Ideen?

Dazu eine kleine Geschichte …

Meine Schatzkiste

Meine Schatzkiste ist aus dunklem Holz, mit rostigen Beschlägen aus Eisen. Sie riecht nach Harz und ein wenig nach Salz und Meer. Vielleicht hat sie schon einen Schiffsuntergang erlebt, wer weiß? Aber ich habe sie gefunden und nun sammle ich darin Wörter. Wörter wie „flanieren“ und „Schokokekskrümel“, „wundersam“ und „Aprilgewitter“. Glänzende Wörter vom vielen Gebrauch und schon ein wenig verstaubte. Sie liegen ganz unten in meiner Schatzkiste.

Darüber lagere ich Figuren. Auch diese sind sehr unterschiedlich. Hübsche Mädchen mit strähnigen Haaren, die ein bisschen zu frech sind. Finstere Männer, deren Augen hinter Brillengläsern bedrohlich funkeln. Sprechende Tiere. Das eine oder andere Gespenst.

Noch eine Schicht darüber hüte ich meine Ideen. Wenn ich den Deckel der Kiste öffne, muss ich aufpassen, dass sie nicht davonfliegen. Manche sind so leicht und flüchtig wie Seifenblasen.  Bunte Träume. Erinnerungsfetzen. Splitter von Gedanken, die ich gedacht, von Gefühlen, die ich gefühlt habe, von Dingen, die ich gesehen und gehört habe oder von denen ich mir wünsche, ich hätte sie gesehen und gehört. Rätsel und Geheimnisse und Fragen.  Erstaunlich viele dieser Ideen sehen aus wie Fragen. Was wäre, wenn  …? Was passiert, wenn ich einen Tiger und einen Löwen in einen Käfig sperre? Oder ein redseliges Mädchen und einen schweigsamen Jungen zusammen in eine Geschichte? Was kommt dabei heraus, wenn Kaninchen sich dagegen wehren, dass ein Zauberer mi t ihnen zaubert? Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, ob Tauben Humor haben?

Eines Tages stemmte sich eine Figur gegen den Deckel der Kiste, schwang die Beine über den Rand und schlüpfte hinaus. Ein paar Wörter hatten sich in seinen zerzausten Haaren verfangen. Ich schaute genau hin  ─ es war ein Name. Benjamin April.

„Ich will zaubern lernen“, sagte der Junge zu mir.

„Oh“, sagte ich. „Vielleicht eher nicht, Bürschchen. Du bist ein ganz normaler Schuljunge.  Du bist nicht Harry Potter, also vergiss es.“

Er schaute mich an und verengte die Augen, wie jemand, der sehr entschlossen war. Obwohl er so nett war und so ganz normal – ein Junge, der nur mäßig gut in der Schule war, sein Zimmer nicht aufräumte und mit seiner Schwester  stritt ─, ahnte ich, dass er hartnäckig war. Am Ende würde er kriegen, was er wollte.

„Na schön“, räumte ich ein. „Und wer soll es dir beibringen?“

Er zuckte mit den Achseln. Aha. Das war also mal wieder mein Problem. Ich beugte mich über die Kiste und wühlte darin herum.

„Der doch nicht“, sagte Benjamin. „Das ist ja bloß mein Nachbar, dieser alberne Taubenzüchter.“

„Taubenzüchter klingt gut“, meinte ich. „Da sehe ich gleich einen schwarzen Zylinder vor mir. Und Kaninchen. Es müssen unbedingt Kaninchen in die Geschichte.“

„Nein“, sagte Benjamin.

„Doch“, sagte ich. „Und wag es nicht, mir Dinosaurier vorzuschlagen.“

„Na gut. Aber dann erspar mir wenigstens die nervige Schwester.“

„Geht nicht. Auf die Schwester können wir auf keinen Fall verzichten. Schließlich hat sie die besten Ideen. Außerdem kann sie dann euren Onkel um den kleinen Finger wickeln.“

Der junge Herr April brummelte etwas.

„Was denn noch?“, fragte ich.

„Wann geht es endlich los?“

So ist das also bei mir. Mit meiner Schatzkiste. Und den Figuren, die plötzlich auftauchen, bei mir anklopfen und frech werden. Ich soll ihre Geschichte erzählen. Na schön, dann mache ich das halt. Dafür sind Schriftsteller schließlich da.

Der Nächste, bitte.

Foto: J. Klassen


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