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Jan

Leben und Schreiben

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Lena Klassen

In Bielefeld habe ich Literaturwissenschaft, Anglistik und Philosophie studiert. Dort habe ich eine Zeitlang in einer Kellerwohnung gelebt, die einem Geigenbauer gehörte. Welche Schranktür man auch öffnete, überall kamen Geigen zum Vorschein.

Mittlerweile lebe ich mit meiner Familie in einem kleinen weißen Haus mit einem großen Garten – zusammen mit ein paar charakterstarken Hühnern und zwei seltsamen Katzen.
Wer ich bin? Eine tee- und schokoladensüchtige Büchergenießerin und Geschichtenerfinderin. Ich liebe selbstgemachtes Eis. Ich liebe spannende Romane, in denen feuerspeiende Drachen vorkommen, unvollkommene Helden und Heldinnen, die über sich hinauswachsen. Ich liebe lange Spaziergänge, Gärten und Lavendel. Ich liebe es, viele Fragen zu stellen. Was ist der Sinn des Lebens? Wieso kann ich nicht Geige spielen? Gibt es eine Seele? Warum heißen fast alle Katzen Felix? Wie wäre es, jemand anders zu sein? Oder ein anderes Gesicht zu haben? Wie wäre es, wenn … So entstehen Geschichten.
Und wie viel Schokolade braucht man, um einen Roman zu schreiben?

Maja Winter

Unter dem Pseudonym “Maja Winter” schreibe ich High Fantasy für diverse Verlage. Zum Beispiel die vierbändige Sternenbrunnen-Reihe für Bastei Lübbe – “Träume aus Feuer” heißt der erste Band. Oder die Drachenjägerin-Trilogie (Blanvalet).

Lesen und Schreiben

Ich schreibe Bücher.
Ich liebe Bücher.
Ich kaufe sie, sammle sie, lasse sie mir zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken, leihe sie aus, lade sie als eBook herunter, leihe sie als eBook, ich horte sie, pflege sie. Ich habe eine geniale Bücherbürste, mit der man sie im Regal abstauben kann.
Und ich lese Bücher. Es soll ja Autoren geben, die keine Zeit zum Lesen haben. Das kann ich nicht verstehen. Bücher sind ein Nahrungsmittel für die Seele. Geht nicht ohne.

Deshalb kann ich nicht anders, als über Bücher zu sprechen.
Was ich lese? Am liebsten Fantasy. Gerne Jugendbücher. Querbeet, alles, was sich irgendwie interessant anhört. Seltener einen Thriller oder etwas Lustiges. Auch mal ein Sachbuch.
Von Bestsellern bin ich meist enttäuscht.
Ich mag Bücher, die sich sprachlich von der Masse abheben.
Ich empfehle auch Bücher, die mir in mancher Hinsicht nicht gefallen haben, wenn sie spannende Fragen aufwerfen, die einen noch über die Lesezeit hinaus beschäftigen.
Ich hole auch gerne mal ein Buch aus dem Regal, das ein paar Jahre alt ist. Bücher haben kein Verfallsdatum.
Ich vergebe keine Sternchen, Bärchen oder Federn. Denn das perfekte Buch, an dem es nichts auszusetzen gibt, kann langweilig sein. Während ich oft mein Herz an Geschichten verliere, über die ich mich geärgert habe.

Geschrieben habe ich eigentlich schon immer …
Seit 1996 wurden in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. 2001 erschien mein erster Roman, “Der Todesadler”, im BMV Burau Verlag – allerdings nicht der erste Roman, den ich geschrieben habe. Den habe ich mit zwölf begonnen, meine Heldin war eine tapfere Indianerin. Der zweite Roman, mit dreizehn in Angriff genommen, spielte in einer Welt voller zauberhafter Wesen. Immer noch liegt mir die Fantasy besonders am Herzen, auch wenn ich immer wieder neue Genres erkunde. Was ich selbst gern lese, möchte ich auch gerne schreiben.

Wie funktioniert Schreiben? Woher kommen die Ideen?

Dazu eine kleine Geschichte …

Meine Schatzkiste

Meine Schatzkiste ist aus dunklem Holz, mit rostigen Beschlägen aus Eisen. Sie riecht nach Harz und ein wenig nach Salz und Meer. Vielleicht hat sie schon einen Schiffsuntergang erlebt, wer weiß? Aber ich habe sie gefunden und nun sammle ich darin Wörter. Wörter wie „flanieren“ und „Schokokekskrümel“, „wundersam“ und „Aprilgewitter“. Glänzende Wörter vom vielen Gebrauch und schon ein wenig verstaubte. Sie liegen ganz unten in meiner Schatzkiste.

Darüber lagere ich Figuren. Auch diese sind sehr unterschiedlich. Hübsche Mädchen mit strähnigen Haaren, die ein bisschen zu frech sind. Finstere Männer, deren Augen hinter Brillengläsern bedrohlich funkeln. Sprechende Tiere. Das eine oder andere Gespenst.

Noch eine Schicht darüber hüte ich meine Ideen. Wenn ich den Deckel der Kiste öffne, muss ich aufpassen, dass sie nicht davonfliegen. Manche sind so leicht und flüchtig wie Seifenblasen. Bunte Träume. Erinnerungsfetzen. Splitter von Gedanken, die ich gedacht, von Gefühlen, die ich gefühlt habe, von Dingen, die ich gesehen und gehört habe oder von denen ich mir wünsche, ich hätte sie gesehen und gehört. Rätsel und Geheimnisse und Fragen. Erstaunlich viele dieser Ideen sehen aus wie Fragen. Was wäre, wenn …? Was passiert, wenn ich einen Tiger und einen Löwen in einen Käfig sperre? Oder ein redseliges Mädchen und einen schweigsamen Jungen zusammen in eine Geschichte? Was kommt dabei heraus, wenn Kaninchen sich dagegen wehren, dass ein Zauberer mi t ihnen zaubert? Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, ob Tauben Humor haben?

Eines Tages stemmte sich eine Figur gegen den Deckel der Kiste, schwang die Beine über den Rand und schlüpfte hinaus. Ein paar Wörter hatten sich in seinen zerzausten Haaren verfangen. Ich schaute genau hin ─ es war ein Name. Benjamin April.

„Ich will zaubern lernen“, sagte der Junge zu mir.

„Oh“, sagte ich. „Vielleicht eher nicht, Bürschchen. Du bist ein ganz normaler Schuljunge. Du bist nicht Harry Potter, also vergiss es.“

Er schaute mich an und verengte die Augen, wie jemand, der sehr entschlossen war. Obwohl er so nett war und so ganz normal – ein Junge, der nur mäßig gut in der Schule war, sein Zimmer nicht aufräumte und mit seiner Schwester stritt ─, ahnte ich, dass er hartnäckig war. Am Ende würde er kriegen, was er wollte.

„Na schön“, räumte ich ein. „Und wer soll es dir beibringen?“

Er zuckte mit den Achseln. Aha. Das war also mal wieder mein Problem. Ich beugte mich über die Kiste und wühlte darin herum.

„Der doch nicht“, sagte Benjamin. „Das ist ja bloß mein Nachbar, dieser alberne Taubenzüchter.“

„Taubenzüchter klingt gut“, meinte ich. „Da sehe ich gleich einen schwarzen Zylinder vor mir. Und Kaninchen. Es müssen unbedingt Kaninchen in die Geschichte.“

„Nein“, sagte Benjamin.

„Doch“, sagte ich. „Und wag es nicht, mir Dinosaurier vorzuschlagen.“

„Na gut. Aber dann erspar mir wenigstens die nervige Schwester.“

„Geht nicht. Auf die Schwester können wir auf keinen Fall verzichten. Schließlich hat sie die besten Ideen. Außerdem kann sie dann euren Onkel um den kleinen Finger wickeln.“

Der junge Herr April brummelte etwas.

„Was denn noch?“, fragte ich.

„Wann geht es endlich los?“

So ist das also bei mir. Mit meiner Schatzkiste. Und den Figuren, die plötzlich auftauchen, bei mir anklopfen und frech werden. Ich soll ihre Geschichte erzählen. Na schön, dann mache ich das halt. Dafür sind Schriftsteller schließlich da.

Der Nächste, bitte.

Foto: © by J. Klassen


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